MONATSSPRUCH Februar 2021:

Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!
Lk 10,20 (E)

 

Andacht für Februar/März

Zum Monatsspruch im Februar:


„Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!“
Lk 10,20 (E)

„Die Zukunft steht in den Sternen“, heißt es halb romantisch und halb verunsichert. Denn die Sterne sind weit weg und lassen sich durch uns nicht wirklich gut kontrollieren. Im Gegenteil: den Sternen wird eine gewisse Kontrolle über unser Leben nachgesagt. Ein bisschen was vom Glauben an eine höhere Macht hat sich in den weit verbreiteten Aberglauben gerettet. Da ist was Höheres, da ist was über uns, das die Zukunft lenkt, zumindest kennt. Und so können wir sie auch lesen, wenn wir denn eingeweiht sind, in den Sternen zu lesen. Wenn wir es nicht sind, dann bleibt wenigstens die Romantik, denn Sterne sind nicht nur fern, sondern auch schön. So ist die Unsicherheit nicht kalt und einschneidend, sondern bestenfalls warm und geheimnisvoll.

Ist das genug Trost, um in die Zukunft zu tragen? Ist es nur eine Vertröstung – halb hoffnungsvoll, halb kitschig?

Mit dem Monatsspruch für den Februar lenkt Jesus den Blick gleichermaßen in die Höhe und in die Zukunft und er fügt noch was dazu: Freude.

„Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!“ (Lukas 10,20 in der Einheitsübersetzung)

Hier gibt es nichts zu beschönigen: es geht um unsere letzte Zukunft, die, die nach diesem Leben kommt. Ob es sie gibt oder nicht, darüber wird gestritten. Wurde es schon in der Vergangenheit und wird es wohl in der Zukunft werden. Aber wie dringend ist diese Frage in unserer Gegenwart!

Denn genau jetzt steht die Zukunft in den Sternen – was wird werden, wie geht das weiter mit uns? Wie geht das weiter mit uns und Corona? Wirklich ernst wird diese Frage, wo erkannt wird: es geht hier auch schnell um das Ende der Gegenwart in diesem Leben für viele Menschen.

Die Zukunft steht in den Sternen – ein bisschen romantisch, ein bisschen verunsichert. Nicht genug für diese Gegenwart. Jesus wird nicht romantisch, wenn es um unsere Zukunft geht. Jesus wird persönlich.

Freut euch, dass eure Namen im Himmel sicher aufgeschrieben sind! Unsere Namen. Es geht persönlich um uns. Der Himmel ist genauso fern wie die Sterne, aber er ist persönlich.

Der Tagesspiegel, die große Berliner Tageszeitung, hat in dieser Gegenwart eine Aktion, die sich um Namen dreht und um die Personen dahinter. Die Zeitung sammelt Namen und Geschichten von Menschen, die an und mit dem Corona-Virus gestorben sind. Sie veröffentlicht diese Namen und Geschichten im Internet – gegen das Vergessen, um diese Menschen festzuhalten. Für all die anderen Toten dieser Pandemie in Berlin, deren Namen niemand zusendet, kommt das Bild einer Kerzenflamme auf die Website. Und ihre Zahl steht da. Im März 2020 beginnt es mit 15 Toten. Rollt man die Seite weiter herunter, bekommt man einen kleinen Schreck, denn für den April sieht man auf dem Bildschirm für einen kurzen Moment nichts anderes als diese Kerzenlichter, 134 Tote. Im September sind es nur noch drei. Der Dezember ist der Monat mit den meisten Lichtern, sie hören einfach nicht auf, auch wenn man schneller das Rad der Maus dreht, 706 Tote. Es hört nicht auf. Nach einem halben Januar, als diese Zeilen geschrieben werden: 529 Tote.

Insgesamt ungefähr 1800 Namen, die dort nicht geschrieben stehen. Sie sind im Himmel verzeichnet. Das ist keine Vertröstung und es ist auch nicht eine unsichere Zukunft. Es ist persönliche Gegenwart. Es ist Gottes Gegenwart, die unsere Zukunft zeigt.

Freude, sagt Jesus dazu. Die mag von unserer Gegenwart so weit entfernt liegen wie der Himmel von der Erde. Und ja, genau so weit liegt sie entfernt. Aber wirklich genau so weit und das ist nicht unendlich fern. In dieser Gegenwart, in der die Menschen nach Kontrolle suchen und sie immer öfter nicht zu finden scheinen, ist der Himmel nicht weiter weg als sonst, sondern ist näher. Jesus sagt diesen Satz zu einigen Jüngern gerade in dem Moment, in dem sie auf ihren Reisen sogar Wunder tun konnten – so viel Kontrolle hatte Gott ihnen in die Hand gegeben, so viel Kontrolle und Macht haben sie erfahren. Darüber sollen sie sich nicht freuen. Sie sollen sich darüber freuen, dass es jemanden gibt, der die Kontrolle behält, auch wenn ihre eigene an ihre Grenzen stößt. Das ist unsere Gegenwart im Moment in all unseren Fehlern, falschen und gefährlichen Entscheidungen, in aller Verzweiflung und Unwissen, in aller Trauer und allem Zorn, in aller Hilflosigkeit. Gerade jetzt geht unser Blick zum Himmel. Und es lässt sich sehen: er ist wirklich da. Ihre Namen sind es auch.

Auf der Suche nach der Freude da oben und hier unten grüßt Sie

Pfarrer Marcel Borchers

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