MONATSSPRUCH Oktober 2021:

Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.
Hebr 10,24 (L)

 

Andacht für Oktober / November

Liebe Gemeinde,

wie viel haben Sie im letzten Jahr gespendet? Finden Sie, das war genug? Und wofür eigentlich? Gibt es denn keine wichtigeren Themen?

Und jetzt die wichtigste Frage: Wie finden Sie es, so etwas gefragt zu werden?

Ich fühle mich nicht wohl, so etwas gefragt zu werden. Und ich fühle mich auch nicht wirklich wohl, so etwas zu fragen. Denn das schlechte Gewissen kommt mit Sicherheit. Und warum sollte das überhaupt jemanden was angehen? Ich muss das doch selbst entscheiden, es geht außer mir höchstens meinen Gott noch was an. Vielleicht ist es deshalb auch ganz gut, dass es z.B. in Deutschland gar nicht so üblich ist, darüber zu reden, was man an Wohltätigkeit so leistet. Man übt sich in Bescheidenheit. Anders ist das z.B. bei großen Spendengalas in den USA, wo die große Prominenz mit großen Schecks aufläuft und die gerne auch noch in die Kamera hält. Oder bei Aktionen in den sozialen Medien, wo man in den eigenen Beiträgen sogar andere Menschen mit Namen auffordern kann, auch bei der Aktion mitzumachen. Ist das Angeberei? Selbstdarstellung? Oder doch Werbung für den guten Zweck? Wie ist es besser – mit großem Getöse oder heimlich bescheiden?

„Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken!“ (Hebräerbrief 10,24)

So fordert uns der Monatsspruch im Oktober auf. Für die auf Bescheidenheit achtende Gewohnheit klingt das erstmal übergriffig. Sollen wir einander nun wirklich ins Portmonee gucken und auf die Kontoauszüge – achthaben aufeinander, dass auch wirklich genug Gutes getan wird (und bitte auch das richtige Gute)? Denn ich, seht her!, mache das doch auch. Spornt man so an zu guten Werken? Es regt sich Widerstand in mir, so mit der Nächstenliebe umzugehen. Sie zu benutzen, um andere Menschen zu etwas zu drängen. Reicht es nicht, einfach nur zu tun, was ich für richtig und gut erachte? Wird das nicht sogar irgendwie entwertet, wenn es noch einen anderen Zweck verfolgen soll?

Und bald, im November, werde ich sicher wieder öfter die Geschichte vom Heiligen Martin erzählen und dem Bettler, dem er ein gutes Werk tat. Was ist das dann? Wahrscheinlich ist das dieses „Anspornen“, von dem der Hebräerbrief spricht. Und vielleicht sogar das „achtet aufeinander!“. Nicht: „Tu Gutes und rede darüber!“, sondern: „Sieh‘ Gutes und nimm‘ es Dir zu Herzen!“ Irgendwann wird dann vielleicht jemand anderes davon erzählen, ohne dass Du es selber erzählen musst.

Für das Gute in der Welt und unter den Menschen, muss niemandem das eigene Tun aufgezwungen werden. Es muss auch niemandem mit aller Macht erklärt werden, was denn das eigentliche, das richtige Gute ist. Das erzählen vom Guten, das wir sehen, das uns berührt, muss nur von Herzen kommen.

Es wird sich dann fast von selbst ausbreiten wie die Geschichte von Sankt Martin. Denn hinter dem Guten, das wir tun können, steht ein Antrieb, den wir nicht leisten müssen.

„Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus.“
(2. Brief an die Thessalonicher 3,5)

Dieser Monatsspruch steht über dem November. Was da in den Herzen vor sich geht, sind Spuren der Liebe Gottes. Und die braucht keinen Überbietungswettbewerb, braucht keine schlechten Gewissen, braucht keine Extra-Einladung, sondern ist schon längst unterwegs in der Welt. Lasst uns das sehen und uns das zu Herzen nehmen.

Herzlich grüßt

Pfr. Marcel Borchers

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