MONATSSPRUCH JANUAR 2019
Gott spricht: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. Gen 9,13

Andacht Dezember-Januar

Liebe Leserin, lieber Leser,

im Advent wie auch in der Passionszeit begegnet dem Gottesdienstbesucher und der Gottesdienstbesucherin in unserem Kirchsaal im Parament am Pult und auch in der Stola des Liturgen die Farbe violett.

Sie ist für viele Menschen eine eigenartige Farbe. In großen Flächen wäre sie wohl kaum zu ertragen. Sie ist für uns die zwiespältigste Farbe, die wir kennen. Zur Hälfte besteht sie aus Rot, der Farbe des blutvollen Lebens und zur Hälfte aus Blau, der Farbe des Himmels. Es sind zwei Farben, die nicht so einfach zueinander finden können. Fortwährend ringen sie um Ihre Existenz im Violett. Die diesem Ringen innewohnende Spannung missfällt unserem Auge und wir spüren beim Betrachten eine leidvolle Zerrissenheit. Violett symbolisiert aber nicht nur Zerrissenheit und Leiden, sondern auch Unruhe, Spannkraft, Erwartung und Leidenschaft. Mit diesen Eigenschaften und Wirkungen fand sie als liturgische Farbe Eingang in den gottesdienstlichen Raum. Immer wieder läßt sich in Ihr eine erstaunliche Schubkraft zu Neuem entdecken, eine Kraft mit einem starken Vorwärtsdrängen nach dem, was nahe ist.

Der Täufer Johannes lebte in dieser Haltung der Nah-Erwartung. Mit ihm dürfen auch wir Jesus Christus erwarten, mit dem das Himmelreich auf Erden schon angebrochen ist. Das Hören seiner Botschaft und die Liebe Gottes verwandeln und helfen uns immer wieder neu umzukehren, Neues zu wagen und dem Nächsten und auch der ganzen Schöpfung achtsam zu begegnen. Denn die Würde des Menschen ist unantastbar! Das ist der erste Satz unseres Grundgesetzes. Und er hat seinen Ursprung in der Bibel, dort ganz am Anfang:

Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde. Gott gibt dem Menschen somit seine eigene Würde. Sie darf nicht angetastet werden.

Aber der Weg dieser biblischen Aussage bis in unsere Gegenwart hinein war lang und auch beschwerlich. Die Würde des Menschen wird immer wieder angetastet und schwer mit Füßen getreten. Gott sei es geklagt! Und so bleibt diese Zusage Gottes zugleich ein Dauerauftrag an uns. Wir sollen und wir können mit dazu beitragen, dass diese Würde unserer Mitmenschen geachtet wird. Es kann damit beginnen, dass wir es lernten uns selbst mit Gottes Augen zu sehen. Welch ein großer Schritt könnte es sein, wenn wir aufhörten uns selbst zu verdammen. Gott sieht uns anders. Darum dürfen wir uns selber auch anders ansehen. Wie wäre es, wenn wir umkehrten in unserem Denken und Handeln und uns jeden Tag darin übten, auch in schwierigen Menschen das Bild Gottes zu erspüren, zumal wenn es verzerrt erscheint? Es könnte gerade an Weihnachten durch die Anbetung des göttlichen Kindes in der Krippe unser Verhalten dem anderen Menschen gegenüber zum Guten verändern, in der Gemeinde, in der Kirche, in der Welt.

Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Freunden eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.

Pfarrer Helmut Schmelzer

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