MONATSSPRUCH MAI 2018
Es ist der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem,
was man nicht sieht. Hebräer 11,1

Andacht Mai/Juni

Vom wiederfinden des Gleichgewichtes

Montagsspruch Juni: Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. Hebräer 13,2

Liebe Leserin, lieber Leser, immer noch werben Banken oder Versicherungen mit Worten wie „uns können Sie vertrauen“ und sie verweisen dabei auf ihre lange Tradition und ihre Kundenzufriedenheit. Doch unser begründeter Einwand „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ bestimmt zunehmend unsere Wahl. Nicht alles können wir glauben und nicht jedem Vertrauen. 

Aus dem Mund eines Sportlers hören wir gelegentlich: „Hätten wir nicht an den Sieg geglaubt, dann wäre das Spiel verloren gegangen“. Aber auch von kranken Menschen kennen wir Ähnliches, wenn sie sagen, der Glaube an die Heilung stärkt meine inneren Kräfte.

Und so ist der Glaube wie ein Vogel, der singt, wenn die Nacht noch dunkel ist,  wie es ein Sprichwort zu sagen weiß. Denn der Vogel weiß genau, dass nach der Dunkelheit der Nacht immer das Licht des Tages folgt. Das ist sicher, das hat er immer wieder erlebt.

Ich denke, so ist es auch mit dem biblischen Gottesglauben. Die Israeliten glaubten aus Erfahrung. Deshalb erzählten sie die alten Geschichten von den Taten Gottes immer weiter. Und so wird es für uns gut sein, immer wieder in unsere eigene Lebensgeschichte hinein zu schauen, um der Frage nach zu gehen: Wann habe ich erlebt, dass mir geholfen wurde, dass ich bei Fremden Gastfreundschaft erleben durfte und dass es wieder in meinem  Leben voran ging? Könnten diese guten Erfahrungen nicht doch mehr sein als reiner Zufall? 

Die Geschichten, die Menschen mit Gott erlebt haben, sind so etwas wie ein nachhaltiges Gütesiegel. Und so ist die ganze Bibel ein Buch mit Belegen der Vertrauenswürdigkeit Gottes, sozusagen „aus Erfahrung gut“.  

In den Schriften des alten und neuen Testamentes können wir lesen, dass Fremde viel zu bringen haben: Herzlichkeit und Wärme, Einblicke in andere Kulturen, Einsichten in weltweite Zusammenhänge und in unsere eigene Welt, wie wir sie bisher nicht kennen. Wenn wir der Mahnung des Hebräerbriefes folgten, Fremden Gastfreiheit gewährten und an ihrem Leben teilnehmen würden, dann würde das unser Leben vielleicht bereichern. Ohne es zuvor wissen zu können, hätten wir dann vielleicht einen Engel beherbergt.

 Ihr Pfarrer Helmut Schmelzer 

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Was ich erträume

1. Was ich erträume, hast du schon getan.
Seh ich den Weg nicht, gehst du ihn voran.
Was ich auch denke bei Tag und bei Nacht,
du, Gott, hast immer schon an mich gedacht.

2. Forme mein Wesen und führ meinen Sinn;
bring mich zurück, wenn ich nicht bei dir bin.
Will meine Seele vor Sehnsucht vergehn,
lass du ein Bild deiner Zukunft entstehn.

3. Freund meiner Hoffnung, vollende dein Tun;
mitten im Lärm lass mein Innerstes ruhn
in der Gewissheit, dass das, was zerstört,
von dir geheilt wird und zu dir gehört.


Originaltext aus Irland (8. Jahrhundert),
Melodie: Irisches Volkslied, geistlich 1919. / Deutsch: Stefan Weller, 1999
Beiheft „Singt Jubilate“, Seite 152

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