MONATSSPRUCH APRIL 2019
Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Mt 28,20

Andacht Februar-März

Liebe Leserin, lieber Leser,

leisten kann sich nur derjenige Mensch etwas, der leistungsfähig ist. Das ist eine Überzeugung des Zeitgeistes, der wir auch im neuen Jahr in der Passionszeit ausgesetzt sein werden. Von ihr sind wir in unserer vom Geld beherrschten Welt  bis ins Mark bestimmt. Wer von uns fürchtet sich nicht davor, zu den  Schwachen zu gehören, die den Anforderungen der Zeit nicht gewachsen sind? Darum gibt es zunehmend Trainingsprogramme für alle Altersstufen.  Mitunter glauben wir nur so viel wert zu sein, wie wir leisten können. Darum wollen wir oft noch etwas stärker und besser sein, als wir es jetzt gerade sind. Wir nehmen viele Anstrengungen auf uns und bringen uns ständig unter Druck. Theodor Fontane (1819-1898, siehe Bild), der es als großer Dichter Brandenburgs durchaus mit der Religion hielt und dessen 200. Geburtstag sich am 30. Dezember 2019 ereignen wird, war durchaus entgegen einer fatalistischen Überzeugung der Meinung „Behandle die Menschen nach ihrem Verdienst, und selbst der beste kommt an den Galgen.“ Jedoch räumte er aus seiner Glaubensüberzeugung  ein: „Die Gnade fällt der Vernichtung in den Arm.“

Das Christuswort, das uns auf das Gebet verweist, ist eine große Herausforderung. Sagt es doch zu einem leistungsorientierten Denken und Leben, nicht das Trainieren unserer Fähigkeiten und Fertigkeiten,  sondern das Vertrauen hält uns am Leben. Die Kraft, die wir brauchen, ist uns ja schon geschenkt, mehr als wir denken können. Jesus weiß: Der Glaube versetzt Berge. Aber wir stehen der Kraft, die Gott uns im Gebet schenken will, mit unserem angestrengten Unglauben ständig im Weg.

Das Gebet ist ein Ausdruck des Vertrauens eines Menschen zu Gott. Beten beschreibt den Vorgang, in dem ein Mensch zu Gott über sich selbst spricht und die Menschen, die ihm wichtig sind. Beten heißt, mit Gott sprechen und darauf vertrauen, dass ich nicht von dem lebe, was ich habe und leiste, sondern von dem, was noch entstehen kann. Indem einer dies tut, erkennt er Gott als den an, dem er alles Gelingen und Scheitern verdankt. Formen des Gebets sind die Bitte zu Gott, vor allem um Vergebung von Schuld, das Dankgebet, die Anbetung sowie die Fürbitte, die alles einschließt, was zum menschlichen Dasein gehört. Um Beten zu können ist es eine unaufgebbare Voraussetzung Gott kennenlernen zu wollen, nach ihm zu fragen, sich seiner zu vergewissern.

Dazu lade ich zum Gespräch, zu den Andachten und Gottesdiensten in den kommenden Wochen der Passionszeit sehr herzlich ein.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit.
Pfarrer Helmut Schmelzer

 

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