Tageslosung

Lobet Gott in den Versammlungen.

Psalm 68,27

Andacht Juli / August

 

Liebe Leserin, Lieber Leser,

bei vielen Gelegenheiten, in Gottesdiensten, Freizeiten und auch in diesen Tagen während der Sommerferien, wird häufig ein Kanon gesungen. Sein Text stammt aus dem 113. Psalm. Der dritte Vers war auch das biblische Leitwort des zurückliegenden Sommerfestes im Juni in unserer Gemeinde Mariendorf-Ost. Zu diesem Gesang bewegen wir uns gern, vor allem die Kinder unserer Kindertagesstätte. Wir führen die Arme weit über den Kopf, fassen z. B. den nebenstehenden Nachbarn oder die Nachbarin bei der Hand. Damit bringen wir nicht nur singend, sondern auch mit unserem Körper zum Ausdruck, was wir Menschen an jedem Morgen brauchen: die Verbindung zu Gott, der die Sonne aufgehen lässt über seinen Geschöpfen und die Verbindung zu den Menschen links und rechts neben uns, mit denen wir unser Leben teilen.

Wenn diese Verbindungen gut sind, kann kein Tag, den Gott uns schenkt verloren sein, selbst dann nicht, wenn der Himmel ergraut oder wenn uns ein Kummer plagt. Das Licht, das von Gott kommt, ist ja mehr als das Licht der Sonne. Es ist das Licht seiner Liebe, mit dem er nicht nur jeden einzelnen von uns, sondern uns alle täglich neu stärken und aufrichten will. Zusammen dürfen wir ihm danken und in das Lob Gottes mit allen Juden und Christen, den Vätern und Müttern des Glaubens einstimmen. Wir können es in vielfältiger Weise tun, indem wir mit alten Psalmworten beten, versweise im Wechsel wie im Gottesdienst, gemeinsam singend, mit einem Kanon oder einem Strophenlied mit oder ohne Refrain. Der Liederdichter Paul Gerhardt, der die evangelische Liedtradition einzigartig geprägt hat, ruft in vielen seiner Liedtexte immer wieder auf, die Verbindung zu Gott an jedem Tag neu zu suchen. In seinem Morgenlied „Die güldne Sonne voll Freud und Wonne“ (EG 449) können wir beim Lesen oder Singen die Freude des Gotteslobs spüren. Nach dem Erkennen der wunderbaren Schöpfungsgabe in der zweiten Liedstrophe, werden wir mit den Worten der dritten auffordernd geweckt: Lasset uns singen, / dem Schöpfer bringen / Güter und Gaben; / was wir nur haben, / alles sei Gotte zum Opfer gesetzt! / Die besten Güter / sind unsre Gemüter; / dankbare Lieder / sind Weihrauch und Widder, / an welchen er sich am meisten ergötzt.

Gottes Gaben in dieser Urlaubszeit mit allen Sinnen neu zu erkennen und lobend darauf zu antworten führt dazu, genauer nach dem zu fragen, was unserer Seele schadet. Das Matthäus-Wort Mt 16a: Jesus Christus spricht: Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? -will uns fragend sensibel werden lassen für ein verantwortbares Leben vor Gott und vor unserem Nächsten: Was hülfen dem Menschen alle Reisen in fremde Länder und andersartige Verhältnisse, und er nähme doch Schaden an seiner Fähigkeit, Kontakte zu knüpfen mit Ausländern, mit den Fremden, die uns im Urlaub oder auch in unserer Nachbarschaft begegnen? Was hülfe es ihm, wenn er die ganze Welt gewönne in Träumen und Illusionen, und er nähme dabei nur Schaden an seinem Leben und seiner Gesundheit, an sich selbst und an seiner Freiheit, die Gott ihm gegeben hat? Das Gotteslob schärft unsere Sinne für unsere Lebenswirklichkeit, wenn wir uns darauf einlassen und nach Antworten des Glaubens suchen wollen.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern eine erholsame Sommerzeit.
Ihr Pfarrer H. Schmelzer

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