MONATSSPRUCH NOVEMBER 2018
Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Offb. 21,2

Andacht Oktober-November

Vertrau ihm, Volk Gottes, zu jeder Zeit! Schüttet euer Herz vor ihm aus! Denn Gott ist unsere Zuflucht.
Psalm 62,9
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Liebe Leserin, lieber Leser,
mit den Monaten Oktober und November neigt sich das Kirchenjahr dem Ende entgegen. Wir werden mit den Kindern wie schon zuvor dasErntedank-fest feiern, es uns in der jährlich stattfindenden Tafelrunde gut gehen lassen, wir werden das Reformationsfest in schöner Tradition gemeinsam mit unseren Nachbargemeinden der Region feiern und das St. Martinsfest eingebunden in den Martinsmarkt-Tag begehen. Dann folgen wie in jedem Jahr die Novembertage, an denen wir uns unserer Verstorbenen erinnern, nach Trost in der Trauer suchen, die Gräber winterfest her-richten und mehr als sonst das Ewige im Zeitlichen bedenken. Unser Feiern, Gedenken und das gemeinsame Tun gründet in dem Vertrauen, dass Gott für uns da ist. In seine Hände dürfen wir unsere Sorgen und Ängste der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft legen.
Der Beter des 62. Psalm sagt es mit den ihm eigenen Worten. Die Psychologie lehrt uns, wie Vertrauen entsteht und wächst. Vom ersten Tag unseres Lebens an werden wir geprägt von den Menschen, die uns umgeben. Wenn sie den kleinen Menschen lieben, alles Wichtige für ihn tun und jederzeit für ihn da sind, entsteht Urvertrauen. Es ist, als würde Samen ausgestreut, der wächst, sich entfaltet und zu einem starken Baum des Vertrauens wird, der dann Früchte trägt. Im Urvertrauen, das uns gegeben wird, liegt auch eine Art Verkündigung, die es leichter macht, Gott zu vertrauen. Alles, was wächst, braucht Geduld. Aber zum Vertrauen gehört oft auch Warten können und Hoffen. Wir können nicht annehmen, dass Gott auf unsere Gebete reagiert wie ein Automat. Wir sagen ihm unsere Wünsche und er erfüllt sie. Wir haben unsere Erwartungen, aber Gottes Weg muß denen nicht einfach entsprechen. Wir können enttäuscht sein über einen Weg, den wir gehen müssen. Wenn wir Gott dennoch vertrauen, wird uns klar: Niemals lässt er uns allein, niemals lässt er uns fallen. Es gibt keinen Tunnel, der im Dunkeln endet, weder im Grau des Novembers, noch in der Trauer um einen geliebten Men
schen. Gott verschafft uns Licht. Zu jeder Zeit sollen wir ihm vertrauen.
So lädt das biblische Leitwort uns ein. Doch das ist nur möglich, wenn wir nicht nur in der Not, sondern auch im Alltag nach ihm fragen und immer wieder Verbindung mit Gott suchen: Was willst du, dass wir tun sollen? Vertrauen wächst aus der Erfahrung heraus, dass Vertrauen sich lohnt und Lebenshilfe bedeutet. Wer von klein auf die Erfahrung macht, dass er sich auf andere verlassen kann und dann ausprobiert und erlebt, dass Gott vertrauen und ihm alles zutrauen sich als Halt und Hilfe erweist, der findet, was das Psalmwort „Zuflucht“ nennt. Vertrauen wächst wie ein Baum. Die Früchte dieses Baumes sind Erfahrungen und Getrostsein, die feste Gewissheit, dass Gott bei uns bleibt und uns Zukunft gibt. Die Frucht dieses Baumes ist auch die Fähigkeit, solche guten Erfahrungen an andere weitergeben zu können. Es ist hier, wie auch sonst im Leben: Wem geholfen wurde, der ist bereit zu helfen. Wer geliebt wird, kann lieben. Wer erlebt hat, dass sich Vertrauen lohnt, der wird anderen überzeugend sagen können: „Vertraut auf Gott, schüttet euer Herz vor ihm aus. Er ist Zuflucht in jeder Lage und zu jeder Zeit.“

Ihnen allen wünsche ich eine gesegnete Zeit.
Pfr. Helmut Schmelzer 

Foto: © Tom Bayer – fotolia.com

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